2010-01-09

Schneeschuh- und Schlittelspass im Reichenbachtal

Von Christian @ 11:21 [ Winter ]
Wegweiser auf der grossen Scheidegg (aufg. am 02. Jan. 2010)

Durch das Reichenbachtal gelangt man im Sommer über die grosse Scheidegg von Meiringen nach Grindelwald. Im Winter liegt das Tal auch tagsüber lange im Schatten des Wetterhorns, ist tief eingeschneit und die Strasse ist nicht durchgehend geöffnet. Zudem ist zu beachten, dass dieses Gebiet auch im Jagdbanngebiet Schwarzhorn liegt. Trotzdem besteht zu gewissen Zeiten die Möglichkeit, mit dem Postauto von Meiringen bis auf die grosse Scheidegg zu fahren. Vom 26. Dezember 2009 bis zum 10. Januar 2010 sowie zwischen dem 30. Januar und 21. Februar 2010 kann ab der Passhöhe bequem geschlittelt werden. Theoretisch kann man bis nach Meiringen fahren, aber nur zwischen der Schwarzwaldalp und der grossen Scheidegg fahren die Busse regelmässig (Fahrplan). Im Reichenbachtal kann man aber auch sehr schöne Schneeschuhwanderungen machen. Einerseits gibt es zwei ausgeschilderte Schneeschuhtrails, andererseits kann man auch dem Sommerwanderweg dem Reichenbach entlang bis nach Meiringen folgen.

Wir hatten uns entschieden, beide Dinge zu kombinieren. Es hatte bereits die ganze Nacht geschneit und das Wandern im frischen Pulverschnee war einfach herrlich. Wir waren auf der Schwarzwaldalp gestartet und folgten dem Trail in Richtung grosse Scheidegg, wobei ich in der frischen Spur auch noch einen grösseren Schlitten („Davoser“) hinauf ziehen durfte. Eigentlich hatten wir mit einigen Aufhellungen gerechnet, aber es schneite anhaltend und ein eisiger Wind pfiff uns um die Ohren. Als es schliesslich doch noch etwas aufklarte, konnte man an jedem Zaunpfahl, an jeder Tanne und jedem anderen Objekt sehen, was Wind und Schnee gemeinsam für wundervolle Formen erzeugen können. Mit dem Schlitten ging es schliesslich zurück zum Hotel Chalet Schwarzwaldalp, welches im Winter übrigens auch geöffnet ist. Die Gegend hatte uns so gut gefallen, dass wir am nächsten Tag noch einmal dort wandern gingen. Wir fuhren mit dem Postauto bis auf die Passhöhe und folgten, bei schönstem Wetter, dem Schneeschuhtrail sowie den Wanderwegen entlang dem Reichenbach bis zum Berggasthof Kaltenbrunnen-Säge. Dort fuhr uns dann leider der letzte Bus vor der Nase weg, als wir gerade eine kleine Stärkung einnahmen. Zum Glück nahmen uns dann Einheimische zweimal etappenweise mit dem Auto mit, wofür ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke :-)

2010-01-01

Neujahrsblog

Von Christian @ 22:26 [ Info ]
Champagner im Schnee

Wie alle anderen Blueblogger, habe auch ich Ende September 2009 eine recht unerfreuliche E-Mail erhalten. Diese Entwicklung kam nicht ganz überraschend, immerhin war der Support seit Monaten praktisch inexistent und auch sonst wurde das Blogportal durch Bluewin eher stiefmütterlich behandelt. Zuerst frustrierte mich diese Nachricht aber so sehr, dass ich meine Schreibtätigkeit hier komplett einstellte. Zu diesem Zeitpunkt blieb mir nur die Suche nach einer neuen Plattform. Erfreulicherweise erklärte sich aber bald darauf Kaywa zum Weiterbetrieb meines Blogs bereit. Somit wird dieser weitergeführt und in Zukunft werde ich auch wieder regelmässig Beiträge verfassen :-)

Das Bild zu diesem Blog entstand übrigens in der Silvesternacht, etwas ausserhalb der Axalp. Es war sternenklar und der Vollmond sorgte für soviel Licht, dass für eine kurze Wanderung mit den Schneeschuhen nicht einmal Stirnlampen nötig gewesen wären. Barbara und ich starteten kurz nach elf Uhr und suchten uns nach einem 40-minütigen Marsch ein schönes Plätzchen. Von dort konnten wir die Feuerwerke beobachten und in aller Ruhe mit einem Gläschen Champagner auf das neue Jahr anstossen. In diesem Sinn möchte ich auch allen meinen Lesern und Leserinnen nachträglich noch ‚äs guets Nöis’ wünschen :-)

2009-09-17

7. Etappe: Viele Wege führen nach Brione

Von Christian @ 14:21 [ Wanderferien Tessin ]
Lago di Vogorno mit Staumauer, dahinter der Lago Maggiore und u.a. M. Tamaro (aufg. am 04. Aug. 2009)

Aus südlicher bzw. südwestlicher Richtung gibt es diverse Möglichkeiten, um in das Val Verzasca zu gelangen. Die Bergkette zwischen Maggia und Verzasca lässt sich an vielen Stellen überschreiten, zum Beispiel über die Bocchetta di Orgnana, den Passo Deva oder die Bocchetta di Canòva. Irgendwie hatten wir an diesem Morgen jedoch keine grosse Lust auf eine Postautofahrt ins Maggiatal. Zumal wir das Frühstück auf dem sonnigen Balkon mit Seesicht ohne Hektik geniessen wollten. Die oben genannten Varianten haben es nämlich in sich und wenn man nicht frühzeitig startet, kann es unter Umständen ziemlich spät werden. Deshalb entschieden wir uns für eine Wanderung von der Cimetta ins Verzascatal. Da dieser Berg ein beliebter Aussichtspunkt hoch über Locarno ist, kann man die ersten 1400 Höhenmeter bequem mit der Bahn überwinden: vom Bahnhof bis zur Madonna del Sasso mit der Standseilbahn, anschliessend mit einer Gondelbahn nach Cardada und zum Schluss noch mit einem Sessellift zur Cimetta.

Von der Bergstation aus erreichten wir die Cima della Trosa in knapp einer Stunde und machten dort eine erste Pause. Anschliessend konnten wir entweder über Madone – Btta. di Orgnana – Piano nach Lavertezzo bzw. Motta laufen oder aber über Mergoscia – Corippo zur Ponte di Corippo. Wir entschieden uns für letzteres und starteten sogleich mit dem Abstieg. Zuerst führt der Weg über Wiesen und durch tiefes Buschwerk an einigen Alpen vorbei. Danach werden Bäume häufiger und gegen Mergoscia geht es schliesslich im Zickzack durch den Wald. Zu unserem Bedauern war das einzige Restaurant an diesem Tag geschlossen und wir mussten die Aussicht über die Staumauer auf den Lago Maggiore und die dahinterliegenden Berge ohne Glace geniessen. Somit war die Pause nur kurz und wir folgten dem Wanderweg, welcher parallel zum Stausee verläuft, weiter in Richtung Corippo. Wir waren kurz nach Mergoscia in den schattigen Wald gekommen und auch auf der anderen Seeseite wanderte der Schattenwurf der Berge langsam den Hang hoch. Trotzdem war es noch angenehm warm. An der Ponte di Corippo, welche ein Stück ausserhalb des gleichnamigen Dorfes zu finden ist, nahmen wir schliesslich das Postauto nach Brione.

2009-09-15

6. Etappe: Die Brücke bei Gribbio

Von Christian @ 16:09 [ Wanderferien Tessin ]
Gribbio (aufg. am 03. Aug. 2009)

Der Specksteinofen im Vorraum der Hütte hatte durch die Nacht ganze Arbeit geleistet. Sogar die Schuhe waren wieder komplett trocken. Doch ein Blick aus dem Fenster liess uns bereits ahnen, dass sich dies bald wieder ändern könnte. Wenn wir die Wanderung etwas weniger eng geplant hätten, wären wir wohl länger in der Capanna Campo Tencia geblieben. Ein gemütlicher Tag in der Hütte ist doch wesentlich angenehmer als Wandern im Regen, zumal die Bewirtung in der Campo Tencia hervorragend ist. Da wir uns diesen Luxus nicht leisten konnten, traten wir hinaus in die frische Morgenluft und liefen sogleich los. Wir wollten den direkten Weg über den Passo di Ghiacciaione – weiss-blau markiert, steil und mit Schnee bedeckt – in das Rifugio Sponda SAT nicht nehmen, also mussten wir den Pizzo Forno nördlich weit umlaufen. Zuerst folgten wir den Wanderwegen, mit dem einsetzenden Regen wechselten wir aber auf Fahrsträsschen, um möglichst rasch voran zu kommen.

Wir erreichten Gribbio, eine kleine Ortschaft oberhalb Faido, gegen Mittag. Ich war zugegebenermassen etwas erstaunt, dass das kleine Restaurant, welches auf der Karte eingezeichnet ist, tatsächlich existiert. Zu unserem Glück war es auch offen und wir konnten eine heisse, gut gewürzte Minestrone geniessen. Nachdem wir uns wieder etwas aufgewärmt hatten, folgten wir dem Wanderweg weiter in Richtung Ces. Im Vallone die Gribbio, keine drei Stunden vom Rifugio Sponda entfernt, wurden wir jedoch abrupt gestoppt. Eine Lawine hatte die Brücke weggerissen und durch die Regenfälle der letzten Tage war der Bach unpassierbar geworden. Der nächstgelegene Übergang ist die Strassenbrücke zwischen Gribbio und Chironico. Von dort geht ein schmaler, kaum noch erkennbarer Pfad auf den Wanderweg hoch. Doch bei dieser Witterung und auf dem völlig aufgeweichten Untergrund erschien uns der steile Aufstieg als zu riskant. Somit mussten wir schweren Herzens der Strasse bis nach Chironico folgen. Dort entschieden wir uns schliesslich, nach Locarno zu fahren und am folgenden Tag auf einem anderen Weg nach Sonogno/Brione zu gelangen.

Da aber an diesem Tag offenbar noch nicht genug schief gelaufen war, musste die Reise mit dem ÖV an den Lago Maggiore auch noch zu einer kleinen Irrfahrt verkommen. Wobei, mit dem Postauto kamen wir noch pünktlich in Bellinzona an. Erst die anschliessende Fahrt mit der Bahn kostete viel Zeit und Nerven. Ein Unfall auf einem provisorischen Bahnübergang, bei dem zum Glück keine Personen zu Schaden gekommen waren, führte zu einem Streckenunterbruch zwischen Chiubiasco und Riazzino. Dass die Reisezeit dadurch erheblich erhöht wird, kann ich verstehen. Aber eine so miserable Organisation mit einer derart katastrophalen Informationspolitik halte ich, auch im Nachhinein betrachtet, für schlicht inakzeptabel. Schliesslich erreichten wir Locarno erst nach neun Uhr, fanden dort glücklicherweise wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt ein Hotel und danach auch noch ein gemütliches Restaurant nahe des Lago Maggiore.

2009-09-14

5. Etappe: An einem Tag dreimal durchnässt

Von Christian @ 00:04 [ Wanderferien Tessin ]
Val Torta mit Blick nach Norden (aufg. am 02. Aug. 2009)

Die Wetterprognosen verhiessen zwar nichts Gutes, aber vorerst war es trocken und lediglich bewölkt (vgl. Bild). Auf der Nordseite des Passo di Cristallina, also auf dem Weg ins Val Bedretto, lag wesentlich weniger Schnee als südlich des Passes und wir kamen rasch voran. Dem drohenden Gewitter, welches sich durch ein tiefes Donnergrollen nahe den Grundmauern der alten Cristallina-Hütte ankündigte, konnten wir trotzdem nicht davon laufen. Weit oberhalb der Waldgrenze fielen die ersten Tropfen, zugleich wurde der zeitliche Abstand von Blitz und Donner stetig kürzer. Barbara zog das Tempo merklich an, doch es half alles nichts. Das Gewitter zog mehr oder weniger über uns hinweg und bis zur Alpe di Cristallina waren wir völlig durchnässt. Trotzdem war die Tempoverschärfung nicht vergebens. Ein Paar, welches uns überholt hatte, bat die Postautochauffeurin nämlich, so lange wie möglich in Ossasco auf uns zu warten. Somit erreichten wir Airolo wesentlich früher als geplant. Endlich konnten wir unsere nassen Sachen wechseln und auch einige Einkäufe tätigen. Anschliessend fuhren wir, erneut mit dem Postauto, weiter nach Rodi und von dort mit der Seilbahn zum Lago Tremorgio.

Eine kurze, trockene Pause gönnten uns die Wolken zwar, aber bald prasselten wieder endlos Regentropfen auf uns nieder. Bis zur Capanna Leit SAT wurden wir zum zweiten Mal komplett durchnässt. Zum Glück war die Hütte an diesem Wochenende bewartet und wir erhielten eine wärmende Minestrone. Zudem konnten wir über dem Holzofen sämtliche nassen Sachen trocknen. Nach dieser längeren Pause ging es weiter in die Höhe. Wir hatten auf etwas weniger feuchte Verhältnisse gewartet und das Timing schien nicht schlecht zu sein. Der See hinter der Capanna Leit war jedoch über die Ufer getreten und die Wege hatten sich grösstenteils in Bäche verwandelt. Vor allem südlich des Pizzo Campolungo verkam die Wanderung zu einer sehr nassen Angelegenheit. Wir liessen uns daher auch durch den einsetzenden Regen nicht mehr stören, obwohl wir dadurch zum dritten Mal ziemlich nass wurden. Die Capanna Campo Tencia CAS war schliesslich auch nicht mehr weit und mit der Vorfreude auf eine warme, gemütliche Stube liefen sich die letzten Meter wie von alleine.

2009-08-15

4. Etappe: Ein Hauch von Frühling

Von Christian @ 19:45 [ Wanderferien Tessin ]
Blick über den Lago Sfundau zur Capanna Cristallina CAS (aufg. am 1. August 2009)

Beim Aufstehen hingen die Wolken immer noch tief hinunter, nur einmal gaben sie kurz den Blick auf ein Zipfelchen des Basòdino-Gletschers frei. Die geplante Tour hätte uns zuerst auf rund 2450 m. ü. M. geführt, von dort hinunter auf die Staumauer des Lago dei Cavagnöö und schliesslich hinauf zur Capanna Cristallina CAS. Damit wäre sie eine relativ kurze Etappe geworden, die vor allem durch die Wahl des Endpunktes begrenzt wurde. Wir wollten den 1. August nämlich lieber auf einer SAC Hütte verbringen als in einem Hotel im Val Bedretto. Dennoch zwang uns der Nebel, die Etappe zusätzlich zu kürzen. Für die „Aussicht“ lohnte sich der Umweg nicht, zumal das wetterbedingte Risiko etwas hoch schien. Somit verliessen wir die Cap. Basòdino auf direktem Weg in Richtung Lago Bianco.

Der schmale Pfad führte an blumenreichen Matten vorbei, die den klimatischen Unterschied zum Valle Onsernone deutlich machten. Auf rund 1900 m. ü. M. mussten wir das erste grosse Schneefeld überqueren. Die Landschaft scheint erst kürzlich aus dem Winterschlaf erwacht zu sein und nun mit einem farbenfrohen Blumenmeer den Bergfrühling einzuläuten. Dank den angenehmen Temperaturen kamen wir rasch voran, nur der Schnee bremste uns hin und wieder ein wenig. Wir passierten Lièlp sowie den Lago Bianco und machten erst bei der Bergstation der Kraftwerksbahn eine kurze Rast. Anschliessend führte der Weg steil zum Lago Sfundau hoch. Immer mehr Schneefelder galt es nun zu traversieren, der See selbst war voller Schnee- und Eisschollen. Allmählich gingen die Schritte über den rutschigen Schnee in die Beine, doch eine weitere Pause lohnte sich nicht mehr. Kurz nach ein Uhr erreichten wir den Passo di Cristallina und damit auch die Capanna, welche nur wenige Meter über der Passhöhe liegt.

Nun hatten wir irgendwie sehr viel Zeit, die es auszunutzen galt. Neben Lesen, Karten schreiben und Blog notieren existierte eine weitere, sehr reizvolle Möglichkeit dazu: Duschen! Über eine Dusche auf 2575 m. ü. M. kann man durchaus geteilter Meinung sein, aber heute konnten wir der Versuchung nicht widerstehen. Das warme Wasser war einfach herrlich und ich fühlte mich anschliessend richtig entspannt. Im Anschluss an das Nachtessen gab es vor der Hütte eine kleine 1.-August-Feier. Neben einem Höhenfeuer wurden Zuckerstöcke abgebrannt und Raketen in den Himmel geschossen. Das Feuer sah vor allem wegen den vorbeiziehenden Nebelschwaden sensationell aus, die Zuckerstöcke wurden durch den Wind hingegen etwas arg verblasen. Gegen zehn Uhr zogen wir uns in die Hütte zurück und schliefen bald darauf ein.

2009-08-14

3. Etappe: Von Palmen hinauf in die Gletscherwelt

Von Christian @ 23:46 [ Wanderferien Tessin ]
Rosèd im Val Bavona (aufg. am 31. Juli 2009)

Wenige Stunden zuvor hatten wir noch das hervorragende Menu – mit Thon gefüllte Tomaten, Risotto mit Saltimbocca und ein süsses Mangodessert – im Hotel Walser genossen, nun mussten wir auf das Morgenessen verzichten. Unser Postauto fuhr vor der Frühstückszeit und so gab es erst in Cevio zwei „Gipfeli“ mit Kaffee. Im Hauptort des Bezirks Maggiatal tätigten wir zudem einige Einkäufe. Anschliessend wechselten wir von der Hauptstrasse auf den Wanderweg, standen aber alsbald vor einem Hindernis. Die Hängebrücke über die Maggie, worüber der Wanderweg gemäss Karte verläuft, war beidseitig mit Armierungsgittern zugeschweisst worden. „Nun ja“, meinte ich vielsagend zu Barbara, „auf die Brücke kommen wir schon“ (Nachahmung auf eigene Verantwortung!). Also kletterte Barbara über das Betonfundament hinauf und überquerte die Hängebrücke problemlos, ich folgte mit einigem Abstand. Entlang der Maggia ging es danach weiter bis nach Bignasco.

Man kann sich natürlich fragen, warum wir bei diesen Temperaturen – um acht Uhr war es bereits 22 °C warm – aus einem Bergdorf in das teilweise mediterran anmutende Maggiatal fahren, um dort zu wandern. Einerseits gefallen uns die Dörfer mit den grossen Patrizierhäusern, den grossen Kirchen und Steinbrücken sehr. Andererseits hatten wir dadurch auch die Möglichkeit die Gletscherwelt von Basòdino in zwei Tagen zu erreichen, also die ganze klimatische Vielfalt des Tessins zu erleben. In Bignasco verliessen wir die Maggia und wandten uns dem Val Bavona zu. Von nun an säumten viele kleine Dörfer unseren Weg. Obwohl alle aus ähnlich aussehenden Rustici bestehen, hat jedes seinen ganz eigenen Charme. Die Zeit scheint hier, abgesehen von der geteerten Fahrstrasse, stehen geblieben zu sein. Ausser in San Carlo gibt es keinen Strom und auch von Hochspannungsleitungen ist das Tal verschont geblieben.

Kurz vor Foroglio machten wir unsere Mittagspause, wobei nach kurzer Zeit leichter Regen einsetzte. Aber der am Vortag angekündigte, starke Niederschlag blieb zum Glück aus und bereits beim Kaffee im ‚La Froda’ hatte es wieder aufgehört. Von der Terrasse des Restaurants hat man einen herrlichen Blick auf einen 110 m hohen Wasserfall. Nach der Pause setzten wir unsere Wanderung fort, widmeten aber auch den Dörfern nach wie vor viel Zeit. Daher wurde es in San Carlo noch einmal etwas hektisch. An der Brücke war die Zeit zur Talstation der Bergbahn San Carlo - Robiei mit 20 min angegeben, die nächste Gondel fuhr jedoch bereits in fünfzehn. Wir hetzten also der Strasse entlang, schafften Strecke und Höhenmeter in unter dreizehn Minuten und erreichten die Station noch rechtzeitig. Leise schwebten wir in die Höhe und damit auch in die Wolken hinein. Die Temperatur sank rasch ab und betrug auf 1890 m. ü. M. weniger als 14 °C. Wir eilten dem Strässchen entlang in Richtung Basòdinohütte und erreichten unser Tagesziel schliesslich in wenigen Minuten.

2009-08-10

2. Etappe: Ein Walserdorf im Tessin

Von Christian @ 16:20 [ Wanderferien Tessin ]
Bosco/Gurin am Abend (aufg. am 30. Juli 2009)

Bevor ich mit der zweiten Etappe beginne, sollte ich vielleicht einige Worte zum Vorabend verlieren. In der Alzasca-Hütte trafen wir nämlich wieder auf Martino sowie Daniele und Anna. Wir sassen alle am gleichen Tisch und genossen das herrliche Mahl, welches das Hüttenwartepaar zubereitet hatte. Natürlich wurde bei dieser Gelegenheit auch darüber gesprochen, welche Touren am nächsten Tag unternommen werden. Martino riet uns schliesslich, von unserer ursprünglichen Planung abzuweichen und über den Lago di Sascòla nach Linescio abzusteigen statt direkt an die Rovana im Valle di Campo zu wandern. Wir liessen uns natürlich gerne von einem Ortskundigen beraten und änderten unsere Route dementsprechend. Schliesslich liessen wir den Abend bei einer Flasche Wein ausklingen ung gingen erneut früh zu Bett.

Von „unserem Tisch“ starteten wir als erste in Richtung der Bocchetta di Cansgei. Auf dem direkten Weg, vorbei an der Corte di Cima, gewannen wir rasch an Höhe. Der Pfad war durch die saftigen, grünen Matten teilweise kaum zu erkennen und schlecht markiert, weiter oben hatte er hingegen fast die Qualität eines alten Saumwegs. Kurz vor der Bocchetta (dt.: Lücke) teilte sich der Wanderweg, wobei die Markierung wieder deutlich schlechter wurde und wir einmal sogar etwas davon abkamen. An dieser Stelle holten uns übrigens Anna und Daniele ein und schliesslich, als wir die Lücke zum Lago di Sascòla erreicht hatten und gerade eine Pause machten, zog auch Martino an uns vorbei. Der Abstieg zum See war recht beschwerlich, stellenweise auch etwas abenteuerlich. Die Alphütten haben den Kampf gegen Wind und Wetter hier längst verloren, oft sind nur noch Mauerreste vorhanden. Die ehemaligen Zugangswege haben ihre besten Zeiten wohl auch hinter sich und werden nur noch von Wanderern begangen.

Nach einer kurzen Rast am See schlugen wir den Weg nach Morella ein. Zuerst ging es durch einen Lärchenwald, aber mit abnehmender Höhe werden Laubbäume häufiger bis sie schliesslich (fast) den ganzen Wald ausmachen. In Morella scheinen viele Rustici umgenutzt worden zu sein, immerhin sieht das Maiensäss dadurch sehr gepflegt aus. Auf einem grossen Stein in einer Wiese machten wir dort unseren Mittagshalt. Daniele und Anna, welche zuvor im Wald Heidelbeeren gepflückt hatten, liefen erneut an uns vorbei und winkten zum Abschied ein letztes Mal. Nach dem Pic-nic schlugen wir einen etwas längeren, dafür gelenkschonenderen Weg nach Linescio ein. Hier trafen wir übrigens Martino noch einmal, der uns kurz über den relativ jungen Wald und die alten, knorrigen Kastanienbäume aufklärte. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden diese Hänge landwirtschaftlich genutzt, aber die Natur hat inzwischen einen grossen Teil der Flächen zurückerobert. Kurz vor Linescio überquerten wir die Rovana, einen Seitenbach der Maggia, über eine schmale Steinbrücke und erreichten das Dorf in wenigen Minuten. Von dort ging es im Postauto weiter nach Bosco/Gurin, das wir am späteren Nachmittag ohne Rucksäcke noch ausgiebig erkundeten.

2009-08-09

1. Etappe: Zweimal hoch hinauf!

Von Christian @ 22:14 [ Wanderferien Tessin ]
Capanna dAlzasca SAC (aufg. am 30. Juli 2009)

Die Einstiegsetappe war zugegebenermassen etwas heftig. Nach einem üppigen Frühstück auf der Terrasse des Palazzo Gamboni waren wir kurz nach neun in den ersten Aufstieg gestartet. Über die Alp Ligünc wanderten wir hinauf zur Alpe Saléi. Während der Aufstieg zur ersten Alp zu grossen Teilen an der Sonne verlief, war der zweite Teil des Weges durch einen Lärchenwald angelegt. Die hohe Luftfeuchtigkeit verhinderte nicht nur eine Sicht in die Ferne, sondern liess uns auch ganz schön schwitzen. Trotzdem erreichten wir die Alp Saléi in unter zwei Stunden und genehmigten uns in der Hütte je einen halben Liter Apfelsaft, der merkbar mit Birnensaft gestreckt worden war. Von unserem Sitzplatz hatten wir einen guten Ausblick auf die Bocchetta di Doia, welche wir in einigen Stunden erreichen sollten.

Nach der kleinen Erfrischung begann der etwas masochistische Teil der Wanderung. Wir stiegen nach einem kurzen Fussmarsch nämlich in die Seilbahn ein und fuhren damit ins Valle di Vergeletto hinunter. Die gesamten Höhenmeter waren vernichtet und unten brannte die Mittagssonne erbarmungslos auf uns nieder. Zudem mussten wir nun ein Stück der Strasse entlang wandern, bevor wir auf einen Fussweg im Valle della Camana wechseln konnten und darauf immer tiefer ins Tal vorstiessen. Bei einigen zerfallenden Steinhäusern wechselt der Pfad über eine schmale Brücke die Talseite. Die Häuser würden, könnten sie sprechen, sicherlich eine Menge Geschichten aus entbehrungsreicheren Tagen vergangener Zeiten erzählen. Diese Stelle im Tal gefiel uns jedoch so gut, dass wir dort unsere Mittagspause einlegten und zugleich im kalten Gebirgsbach unsere Füsse etwas abkühlten. Nach dem Essen stiegen wir weiter hinauf und verliessen bei Fümegn die Talsohle. Bei der vorherrschenden Bruthitze waren wir froh, dass der steile Abhang von kleinen Bächen durchzogen war, die für eine kurzzeitige Abkühlung sorgten. Über die Alpe die Doia erreichten wir schliesslich die Bocchetta di Doia, den mit 2054 m. ü. M. höchsten Punkt der Wanderung.

Von dort erblickten wir endlich den Lago d’Alzasca und die gleichnamige Hütte. Zudem trafen wir Martino, der ebenfalls zur SAC Hütte unterwegs war. Der Abstieg zum See war steil und führte durch leichtes Buschwerk sowie einige Grasfelder mit verblühten Alpenrosen. Am See legten wir erneut eine kurze Pause ein und liessen uns die Gelegenheit zum Baden nicht entgehen. In der Hütte gäbe es zwar eine Dusche, auf die kann man jedoch nach einem solchen Bad gut verzichten. Nach einem weiteren, kurzen Abstieg erreichten wir unser Endziel, das zur SAC Hütte umgebaute Alpgebäude aus Stein auf der Alpe Alzasca.

Vorbereitungen und Anreise nach Comologno

Von Christian @ 19:42 [ Wanderferien Tessin ]
Über den Dächern von Comologno (aufg. am 29. Juli 2009)

Bevor wir mit der eigentlichen Planung unserer mehrtägigen Wanderung beginnen konnten, musste eine Region in der Schweiz ausgewählt werden. Nach einigem Hin und Her fiel die Wahl schliesslich auf das Tessin, wobei es sich dabei massgeblich um einen Bauchentscheid meinerseits handelte. Anschliessend machten wir uns an die Feinplanung mit Hilfe der computergestützten Landeskarten im Massstab 1:25'000 und dem Internet. Ersteres ergab Routen, Höhenprofile und Wanderzeiten, letzteres half bei der Suche von Unterkünften und Einkaufsmöglichkeiten. Schlussendlich hatten wir eine Wanderung mit neun Etappen geplant, die Zimmer sowie Hütten waren reserviert und die wichtigsten Verbindungen aus dem Fahrplan herausgeschrieben. Nach unserer Rückkehr aus Slowenien mussten wir nur noch (um-)packen und am nächsten Morgen in den Zug einsteigen.

In Bern liessen sich noch einige Einkäufe tätigen, bevor wir in den Zug nach Brig einstiegen. Von dort ging es via Domodossola weiter nach Intragna, wobei vor allem der zweite Streckenabschnitt durch das Centovalli landschaftlich sehr reizvoll ist. Nach einer kleinen Stärkung in der Osteria Centrale setzten wir die Reise im Postauto über die kurvenreiche Strasse durch das Valle Onsernone fort und erreichten Comologno schliesslich am frühen Nachmittag. Der malerische Ort mit den typischen Steinhäusern ist nicht wirklich gross, aber wegen den verwinkelten Gassen gestaltete sich die Suche nach dem Hotel unerwartet schwierig. Erst mit fremder Hilfe fanden wir den „Palazzo Gamboni“. Rasch deponierten wir unsere Rucksäcke und erkundeten danach die Umgebung mit einem Spaziergang. Schliesslich gingen wir nach einem schmackhaften Abendessen früh zu Bett, um am darauffolgenden Tag ausgeruht in die erste Etappe zu starten.

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